U18 Wahlen in Regensburg: So hat die Jugend gewählt

 

 

Netzwerk U18/Fox (Bilder zur kostenfreien Verwendung im Zusammenhang mit Berichterstattung über die U18-Wahlen)

 

Regensburg. Die Regensburger Jugend hat ihre Wahl getroffen. In mehr als zehn Wahllokalen, darunter mehrere Schulen und Jugendzentren, konnten sich die Kinder und Jugendlichen auch in Regensburg an der deutschlandweiten U18-Wahl beteiligen. In den Regensburger Wahllokalen wurden insgesamt 1113 Stimmzettel abgegeben. Bei der Regensburger Jugendwahl blieben, im Vergleich zu anderen deutschen Städten, größere politische Überraschungen aus. Die CSU und SPD legten im Vergleich zur letzten Regensburger U18-Wahl vor vier Jahren zu, die Piraten scheinen bei den Jungwählern dagegen Out zu sein und stürzten ab.  >>> Wahlergebnisse

Die Kinder und Jugendlich in Regensburg würden vor allem die CSU wählen. Das ist das Ergebnis der Jugendwahl U18, die in Regensburg vom Stadtjugendring koordiniert wurde. Die Union verbuchte mit 31 Prozent der abgegebenen Stimmen den Sieg. Im Vergleich zur U18-Wahl in Regensburg vor vier Jahren konnte sie sich damit um mehr als sechs Prozent steigern. Auf den zweiten Platz landeten wieder die Grünen, die fast 17 Prozent auf sich vereinen konnten. Der Regensburger Kreisvorsitzende Stefan Christoph zeigte sich bei der Wahlparty zur U18-Wahl in der Alten Mälzerei mit dem Ergebnis überaus zufrieden: „Das ist ein solider zweiter Platz für meine Partei“, sagte er kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse. Die SPD kam auf 14 Prozent und verschlechterte damit leicht im Vergleich zur vergangenen U18-Bundestagswahl. Deren Bundestagskandidat Tobias Hammerl hatte zuvor bei einem Podiumstalk für mehr politische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen geworben. Die Stadt Regensburg zeige mit verschiedenen Projekten, wie dies vorbildlich gelinge, sagte Hammerl.  

Der vierte Platz ging in Regensburg an die FPD, die neun Prozent auf sich verbuchen konnte. Es folgten die Linke mit 6,8 Prozent sowie die Tierschutzpartei mit fast fünf Prozent sowie die Alternative für Deutschland (AfD), die auf drei Prozent kam und damit nicht in den Bundestag einziehen würde. Der Satiriker Martin Sonneborn würde mit seiner „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Entwicklung“ (kurz: PARTEI) ebenfalls nicht in den Bundestag einziehen, schaffte es aber immerhin auf 3,96 Prozent. Die Freien Wähler sowie die ÖDP kamen auf 1,4 Prozent der Stimmen und die Bayernpartei auf 0,8 Prozent. Zu den Verlierern der Regensburger U18-Wahl zählte die Piratenpartei. Sie kam lediglich auf knapp drei Prozent und verlor damit im Vergleich zum Regensburger Ergebnis der vergangenen Bundestagswahl fast sieben Prozent. Auffällig war, dass die Regensburger Jugendlichen sämtliche Parteien auf dem Stimmzettel wählten. Keine Partei ging bei der Wahl leer aus.  

Bei der Wahl des Direktkandidaten lagen die Ergebnisse enger zusammen. Die Mehrheit bei der Regensburger U18-Wahl erzielte der CSU-Kandidat Peter Aumer. Ihn würden die jungen Wähler in den Bundestag nach Berlin schicken, wenn sie wahlberechtigt wären. CSU-Listenkandidat Florian Hoheisel sagte nach der Bekanntgabe der U18-Ergebnisse: „Mich freut es, dass die CSU stärkste Kraft bei der U18-Wahl in Regensburg wurde.“ Die jungen Leute würden wissen, wer verlässliche Politik mache. Auf den weiteren Plätzen folgten Stefan Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), Tobias Hammerl (SPD) sowie Ulrich Lechte (FDP) und Irmgard Freihoffer (Linke) mit prozentgleichen Ergebnissen.

 

Hintergrund für die Wahl für junge Leute ist die bundesweite U18-Wahl. In ganz Deutschland haben die jungen Leute bei der Aktion knapp eine Woche vor der richtigen Bundestagswahl in mehr als 1500 Wahllokalen die Gelegenheit, ihr Kreuz zu setzen. Die abgegebenen Stimmen zählen zwar nicht zur Bundestagswahl, vermitteln aber ein Stimmungsbild. In Regensburg gab es mehr als zehn Wahllokale, unter anderem in den Regensburg Arcaden, beim SV Sallern Regensburg, im JUZ Kontrast, JUZ Fantasy und dem JUZ Arena. Auch das Privat-Gymnasium Pindl, das Von-Müller-Gymnasium, die BOS Regensburg und das Albert-Magnus-Gymnasium beteiligen sich an der Aktion. Das klassen-, jahrgangs- und schulübergreifende U18-Team des Privat-Gymnasiums und der privaten FOS Pindl verbuchte fast 250 abgegebene Stimmen und war entsprechend zufrieden. „Das ganze Projekt, einschließlich der Bewerbung, dem Wahllokal und der Auszählung war für uns eine sehr spannende Erfahrung“, hieß es dort.  

Am Stand des Regensburger Stadtjugendrings gab es als Belohnung für die Wahl auch ein Geschenk: Neben Süßigkeiten bekamen die jungen Leute ein Grundgesetzt und Informationen zu den einzelnen Parteiprogrammen von Nadine Bauer und Stefanie Schmid vom Stadtjugendring überreicht. Stadtjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz zeigte sich mit dem Wahlergebnis und den vielen abgegebenen Stimmen sehr zufrieden: „Die Politiker sehen, wie die Jugendlichen denken. Das ist wichtig, denn zu oft werden die Belange von jungen Leuten übersehen. Die Wahl verleiht den jungen Menschen so indirekt eine Stimme.“ Gleichzeitig sei die U18-Wahl für Kinder und Jugendliche eine gute Möglichkeit, mit den Formen der Demokratie in Berührung zu kommen. Stellvertretender Vorsitzender Detlef Staude, der ein Wahllokal beim SV Sallern Regensburg betreute, betonte: „Die jungen Leute werden so effektiv an die Politik herangeführt.“

In vielen Schulen und Jugendzentren wurde die Jugendwahl zum Anlass für politische Bildung genommen. So wurde unter anderem im Pindl Gymnasium eine Ausstellung zum deutschen Bundestag gezeigt, die der Stadtjugendring konzipiert hatte. Als Höhepunkt der Regensburger U18-Wahl lockte der Stadtjugendring die jungen Gäste mit einer Wahlparty in die Alte Mälzerei. Hier stand zunächst ein politischer Talk an, der am Ende sogar abgebrochen werden musste. Die vielen Fragen und Diskussionen der jungen Leute aus dem Publikum hatten die Zeitplanung um mehr als eineinhalb Stunden gesprengt. Ein ungewöhnliches und seltenes Ereignis, räumte der Stadtjugendring ein. „Das zeigt wieder einmal, dass junge Leute nicht generell politikverdrossen sind, sondern sehr wohl Interesse an bestimmten Themen haben“, zogen die Stadtjugendring-Vorstandsmitglieder Philipp Kroseberg und Daniela Kronschnabl nach der Diskussion eine erste positive Bilanz.

 

Die Bundestagskandidaten im Wahlkreis stellten sich am Abend in der Mälze den Fragen der jungen Leute und verfolgten die Auszählungen. (Foto: SJR/Seitz)

 

+++ Ergänzende Informationen +++

 Ziele: Junge Menschen sollen durch U18 unterstützt werden, ihre Neugierde und Fragen während der Wahlkampfzeit als Ausgangspunkt zu nutzen, um Politik besser zu verstehen. Politiker_innen werden auf Wahlkreisebene im Zuge von U18 mit den Themen und Fragen junger Menschen konfrontiert und beziehen Stellung. Damit kann U18 als Begegnungsplattform zwischen Politik und Jugend fungieren, Stichwörter Demografie und Mehrheiten. Der Wahltermin neun Tage vor der Bundestagswahl unterstützt die Kids dabei, eine Öffentlichkeit für ihre Anliegen herzustellen. Im Optimalfall hilft U18, Klischees aufzubrechen und politische Dialoge zu fördern.  

Organisation: Organisiert und getragen wird die U18-Initiative in Regensburg vom Stadtjugendring Regensburg. In mehr als zehn Wahllokalen konnte in der Stadt Regensburg gewählt werden.