Demokratie praktisch erfahren / Gespräch mit Zeitzeuge zur DDR-Geschichte

 

 

Erfurt / Regensburg. „Auf zur Demokratie. Aus der deutschen Geschichte lernen.“ Das Motto der Bildungsfahrt der Sportjugend und des Stadtjugendrings Regensburg eine Woche nach der Bundestagswahl war hochaktuell gewählt.

„Wir haben in den drei Tagen gespürt, wie wichtig die Demokratie für jeden einzelnen in einer freien und offenen Gesellschaft sein kann“, meinte Detlef Staude, der Vorsitzende der Sportjugend. An den Erinnerungsorten in der „Stasi-Gedenkstätte“ Andreasstraße, aber auch bei „Topf und Söhne“, den Ofenbauern von Auschwitz wurden die Gefahren von Diktaturen deutlich gemacht.

Zeitzeuge wurde wegen einer Nichtigkeit vom DDR-Regime eingesperrt

Die Andreasstraße war während der SED-Diktatur ein Ort der Unterdrückung, in der Wendezeit 1989/1990 aber auch ein Ort der Befreiung. In der heutigen Gedenk- und Bildungsstätte gab es nach einer Führung durch das Haus ein spannendes Gespräch mit dem Zeitzeugen Claus Wolf. Im Alter von 24 Jahren landete er im Stasi-Gefängnis „Andreasstraße“, weil er eine Einmann-Demonstration für seine Ausreise angekündigt hatte. Zuvor hatte er die Ziele der DDR mit der Realität verglichen. Wenn der Westen so böse sei, warum habe man dann die Mauer nicht umgekehrt gebaut? Diese Frage stellte sich Wolf, der viele Informationen über den Westen im Gespräch mit Bundesbürgern als Museumsführer auf der Wartburg bekam.

„Ich wollte nicht eingesperrt sein in der DDR, reisen und Bücher lesen, die ich will!“

Im Gefängnis wurden Wolf alle persönlichen Sachen abgenommen und in Einzelhaft gesteckt. Er bekam nichts zu lesen, das Essen war „unter aller Kanone“. Bei Sonne wurde der tägliche Freigang gekürzt, „bei Regen war die Stasi großzügiger!“

Im April 1980 wurde Wolf schließlich freigekauft.

 

Wer baute eigentlich die Öfen für das KZ in Auschwitz?

Der Erinnerungsort „Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ ist die einzige historische Stätte in Europa, die an einem ehemaligen Firmensitz die Mittäterschaft der privaten Wirtschaft am Massenmord in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern zeigt und belegt.

Die Jugendlichen und Mitarbeiter der BSJ erfuhren in einem Workshop mit der Museumspädagogin Susanne Zielinski , wie Mitarbeiter der großen Erfurter Fabrik „Topf und Söhne“ mithalfen, die Verbrennungsöfen unter anderem im Konzentrationslager Auschwitz zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Hier stellte sich jedem die unbequeme und wichtige Frage nach der Verantwortung jedes einzelnen in seinem gewöhnlichen beruflichen Alltag.

Denn die Mörder des 3.Reiches standen vor „technischen Problemen“ der Tötung und Leichenbeseitigung von Millionen von Menschen. Hierbei halfen zivile „Experten“, beispielsweise die Ofenbauer des Erfurter Familienunternehmens „Topf und Söhne“.

Im Abschlussgespräch stellten sich alle die Frage der Mittäterschaft – vom einfachen Arbeiter bis zur Firmenleitung und den Ingenieuren. Wie würdest Du Dich heute entscheiden?

 

Kennenlernen durften die Jugendlichen zusammen mit den Betreuern Daniela Kronschnabl (Stadtjugendring), Willi Meier und Patricia Schönberger (beide Sportjugend Regensburg) auch noch die 1250 Jahre Geschichte von Erfurt bei einer abendlichen Stadtführung. Der mittelalterliche Stadtkern der Landeshauptstadt von Thüringen überstand den 2.Weltkrieg fast ohne Schaden.

Die Veranstaltung wurde gefördert vom Stadtjugendring über „Toleranz und Demokratie in Regensburg“.